"Mein Leben rollt ab, wenn ich es erzähle, und meine Erinnerung festigt sich beim Schreiben;
was ich nicht auf Papier in Worte fasse, das verwischt die Zeit"
(Isabell Allende)


Leseproben und Referenzen



Günther W., Jg. 1929

Günther W. (Jg. 1929): "Bin nie unter die Räder gekommen"

Als meine Familie endlich von mir erfuhr, war sie natürlich sehr erfreut. Meine Mutter und die Geschwister hatten mich schon tot geglaubt und gar nicht mehr mit mir gerechnet. Und nun hieß es mit einem Mal, ich müsse unbedingt sofort zu meiner Familie nach Wedel kommen. „Habt ihr denn zu Essen für mich, wenn ich komme? Ich kann Euch etwas schicken, ich habe hier genug“, schrieb ich ihnen zurück. Alles hier aufgeben und dort hungern, das wollte ich nicht. Hier hatte ich ja zu essen, sie dagegen hatten fast nichts, es gab ja nichts. Nur mein Bruder bekam ein bisschen Mehl, weil er in einer Mühle arbeitete. Also versorgte ich eine Zeitlang meine Familie in Wedel, indem ich ihnen Kartoffeln und Gemüse schickte. Mit der Eisenbahn ging das alles sehr gut, sie mussten die Sachen bloß dort am Bahnhof abholen. ... weiterlesen

"Ich habe Ihren Text ein paar Mal gelesen, ich kann ihn fast auswendig. Aber das erste Mal, wie ich ihn gelesen habe, da liefen wieder die Tränen... ", erklärte mir Günther W. in unserem abschließendem Gespräch. weiterlesen

Briefe von Paul S., Jg. 1907

Paul S. (Jg. 1907): "Briefe aus dem Osten"

Osowiec, den 03.12.1942

Meine lieben Eltern.
Vielen Dank für Mutters lieben Brief, den ich gestern erhalten habe. Ich habe mich sehr darüber gefreut, da es der erste Brief war, den ich als Soldat von Euch erhalten habe. Wie ich Euch bereits mitgeteilt habe, geht es mir zur Zeit ganz gut. Samstag Vormittag fahre ich mal wieder auf Wochenendurlaub, da ich für die Kompanie etwas besorgen soll. Ich hoffe, auch Weihnachten nach Hause fahren zu können. Lisbeth u. die Kinder würden sich sehr freuen. Mir wäre es auch ganz recht, wenn ich während des Winters hier bleiben könnte. Der Winter ist im Osten sehr stark und der Russe greift wieder heftig an. Wenn ich in Königsberg geblieben wäre, wäre ich sicherlich schon im Einsatz und im Winter ist das sehr schwer. Man muß eben alles so hinnehmen, wie es uns vorgeschrieben ist und damit zufrieden sein. ... weiterlesen

"Die Briefe meines Großvaters haben mich sehr berührt, da ich Seiten von ihm kennengelernt habe, die ich vorher gar nicht kannte", schreibt der Enkel von Paul S. in einer Mail. weiterlesen

In der Trauer wandeln

Mareile Seeber-Tegethoff (Hg.): "In der Trauer wandeln"

Texte von verwaisten Eltern und anderen Trauernden
Mit Illustrationen von Christina Dyck
Braunschweig 2013
Gegen eine Spende erhältlich bei der Hospizarbeit Braunschweig e.V.

Ein verstorbenes Kind, und sei es noch so klein gewesen, hinterlässt eine Lücke, die nicht zu schließen ist. Verwaiste Eltern, die „in der Trauer wandeln“, müssen ihre eigenen Wege finden, den Tod ihres Kindes als Teil ihres Lebens anzunehmen. Die vorliegende Textsammlung möchte ein Wegbegleiter auf diesem schweren Gang sein. Denn oftmals sind es gerade die Worte von ähnlich Betroffenen, die Trauernde ansprechen, ihnen Kraft und Trost vermitteln.
Die bewegenden und sehr persönlichen Texte sind, bis auf wenige Ausnahmen, von
Menschen geschrieben, die selbst auf die eine oder andere Weise vom Tod eines Kindes betroffen sind: Trauernde Eltern, Kinderkrankenschwestern, Seelsorger. mehr

Die Braunschweiger Zeitung berichtet am 18.01.2014 unter der Überschrift "Eltern schreiben über ihren Verlust"... weiterlesen

Heidi & Fritz W. (Jg. 1938/36): "Stürmische Zeiten"

Wer auf die Flucht gehen wollte, durfte sich damals nicht einfach auf den Weg machen. Das war auch so eine Besonderheit, von der man heute gar nichts mehr weiß: Man musste so lange warten, bis der Ortsgruppenleiter die Genehmigung zur Flucht gab. Während wir also noch zu Hause saßen, sahen wir schon die Trecks aus anderen Gebieten vorbeiziehen. Wir wollten auch weg, aber wir durften nicht. Erst als der Ortsgruppenleiter sagte: "So, wir können jetzt aufbrechen!", ging es los. Dann wurde wieder ein Treck zusammengestellt... weiterlesen

Erdmute D. (Jg. 1930): "Heimat, Flucht und Neubeginn"

Der Einmarsch der Engländer war irgendwann im April. Wir haben natürlich Herzklopfen gehabt, Angst. Aber passiert ist gar nichts. Die fuhren mit ihren Jeeps durch die Straßen und fertig war‘s. Mehr war da nicht. Alles ist vollkommen friedlich abgelaufen. Die Stadtverwaltung und die großen Nazis wurden kassiert, sie kamen in Internierungslager. Aber davon haben wir nichts mitbekommen. Nur unsere Unterkunft, die mussten wir räumen. Denn die Engländer brauchten ja auch Quartier! Und was machten sie? Sie suchten sich natürlich die schönsten Häuser aus. Und das waren die Neubauten in unserer Straße. Der Bürgermeister hatte anschließend die Aufgabe, uns erneut irgendwo zu verteilen... weiterlesen

"Es ist nicht leicht, über seine Erinnerungen zu sprechen", schreibt Ermute D. in einem Brief über ihre Erfahrungen mit Worte & Leben. weiterlesen

Gisela S. (Grundschullehrerin, Jg. 1943): "Heute bin ich mal wieder richtig zufrieden mit mir"

Gisela S. (Jg. 1943): "Heute bin ich mal wieder richtig zufrieden mit mir!"

Meine Mutter fing bald nach unserer Übersiedlung mit ihrem Pädagogikstudium an. Sie hatte deshalb auch nur sehr wenig Zeit für mich. Doch ich war eigentlich immer innerhalb unserer Großfamilie behütet. An gemeinsame Erlebnisse mit meiner Mutter habe ich kaum Erinnerungen aus dieser Zeit. Viel mehr erinnere ich mich daran, wie es zu Hause mit meiner Tante und den Großeltern war. Die Tante wollte mich immer zum Abtrocknen rankriegen, das fand ich gar nicht gut. Später, als ich 20 Pfennige Taschengeld pro Woche kriegte, bekam ich sie nur, wenn ich auch geholfen hatte. .... weiterlesen

Roseléne Klockenthör & Mareile Seeber-Tegethoff: HAITI - "Wir müssen stark bleiben!" - Bericht über eine Reise ins erdbebenzerstörte Haiti, um zwei Kinder nach Deutschland zu holen

Roseléne Klockenthör & Mareile Seeber-Tegethoff:
HAITI - "Wir müssen stark bleiben!"

Bericht über eine Reise ins erdbebenzerstörte Haiti, um zwei Kinder nach Deutschland zu holen. ISBN 978-3-942418-07-2

Der Bus fährt mitten durch die Stadt. Eigentlich sollte er einen anderen Weg nehmen, aber das ist nicht möglich, denn eine Straße ist gesperrt. Die US-Armee braucht sie für ihre Hilfsaktionen, für ihre Flugzeuge. Also führt unser Weg durch die Stadt. Ich sehe die vielen kaputten Häuser! Wie Dominosteine sind sie alle umgekippt. Es wirkt, als wäre die ganze Stadt bombardiert worden. Riesige Stromkabel liegen auf der Straße und im Wasser. Ich denke nur: Gut, dass der Strom abgeschaltet ist! Überall stinkt es nach verfaultem Fleisch und Benzin! Sie haben Benzin auf die Häuser gegossen, damit der Gestank der Leichen unter den Betontrümmern nicht ganz so stark ist. Die Menschen auf der Straße machen ihre großen und kleinen Geschäfte im Dreck. Sie waschen sich in der schmutzigen Brühe, die in der Gosse fließt... weiterlesen

Günter S. (Hochschullehrer, Jg. 1941): "Ich würde alles noch mal genauso machen"

Günter S. (Jg. 1941): "Ich würde alles noch mal genauso machen"

Meine Mutter war sehr fürsorglich. Am Wochenende wurde stets ein großer Kuchen gebacken und wenn wir sonntags morgens noch im Bett lagen, bekamen wir große Stücke Streusel- oder Zuckerkuchen und durften diese gleich dort essen. Überhaupt gab es sonntags nachmittags immer Kuchen. Ich glaube, auch werktags gab es nachmittags Kuchen. Das gehörte einfach zur Tradition, dass man Kaffee trank und dazu Kuchen aß. Meine Mutter konnte recht gut kochen und Kuchen backen, aus meiner Sicht jedenfalls. Und sie hat uns wirklich gut versorgt. weiterlesen

Albert T. (Landwirt, Jg. 1928): "Ich kann mir noch gut vorstellen..."

Albert T. (Jg. 1928): "Ich kann mir noch gut vorstellen..."

Wie der Krieg anfing, das kann ich mir noch gut vorstellen. 1939 fing der an, elf Jahre war ich da. Es war im September, ich weiß es noch wie heute. Wir pflückten oben im Dorf Äpfel. Am Mühlenberg, wo die Mariengrotte ist, da stand früher alles voller Bäume, Apfelbäume. Es waren schöne junge Bäume. Jetzt stehen dort nur noch alte Bäume. Früher wurden diese Bäume im Herbst verpachtet... weiterlesen

"Mein Vater ist inzwischen verstorben. Aber ich höre ihn sprechen, wenn ich seine Lebensgeschichte lese", schreibt der Sohn über das Buch seines Vaters. weiterlesen

Ingeborg V. (Grundschullehrerin, Jg. 1916): "...wie man das Leben anpackt"

Ingeborg V. (Jg. 1916): "...wie man das Leben anpackt"

1950 bin ich mit meiner Tochter und meiner Schwester von Aken nach Aachen gezogen. Zu der Zeit konnte man noch mit dem Interzonenpaß über die Grenze, aber unsere Sachen konnten wir nicht einfach mitnehmen. Ich habe alle meine Möbel eingelattet und sie vorher durch Speditionen von Berlin aus nach Aachen bringen lassen. Alles schwarz! Ich hatte keine Genehmigung bekommen... weiterlesen

"Meine Mutter ist schon einige Jahre tot. Ab und zu nehme ich ihr Buch zur Hand und blättere darin", schreibt die Tochter über die Lebensgeschichte ihrer Mutter. weiterlesen

"Bei meinen letzten Besuchen bei ihr habe ich dann in dem von Ihnen verfassten Buch gelesen (immer dann, wenn sie während unseres Gesprächs einschlief) und war davon sehr beeindruckt", schreibt eine Bekannte von Frau V. weiterlesen